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Das Potential im Inneren der Psyche

Wenn das Verhalten die Evolution antreibt: Was treibt dann das Verhalten an?

??? ⇒ Verhalten ⇒ Körper ⇒ Gene ⇒ Vererbung

Es handelt sich hierbei um eine der wichtigsten Fragen des Mensch-Seins und der Existenz - vielleicht sogar um die wichtigste Frage überhaupt. Um sie zu beantworten, müssen wir anfangen, das zu tun, was die Wissenschaft nicht darf: in die eigene Psyche hineinschauen!

Wenn wir irgendetwas tun - ganz egal was - dann ist es ein zentrales Merkmal dieses Tuns, ob es leicht und wie von selbst abläuft oder ob wir uns dazu zwingen müssen, ob wir Lust darauf haben oder nicht. Es kommt vor, dass wir einen so starken Drang zu etwas verspüren, dass wir es geradezu tun müssen und dann wiederum fühlen wir uns zu etwas verpflichtet, zu dem wir uns überhaupt nicht überwinden können, trotz vielfacher Anläufe und jeder Menge "guten Willens".

Es gibt im Inneren der Psyche ein Potential, das zu bestimmten Verhaltensweisen hindrängt. Aber was ist ein Potential? Erinnern wir uns zunächst daran, was Energie ist: Energie ist die Fähigkeit, Veränderungen zu bewirken. Ein Potential ist die Möglichkeit einer Veränderung. Ein Potential strebt eine Veränderung an. Wenn wir zum Beispiel einen Gegenstand mit Abstand über dem Erdboden festhalten, dann hat dieser Gegenstand das Potential durch die Schwerkraft Richtung Erdboden zu fallen. Sobald wir den Gegenstand loslassen, tut er auch genau das. Und so wie das durch die Schwerkraft getriebene Potential einen Gegenstand Richtung Erdboden zieht, treibt das inner-psychische Potential das Verhalten des Menschen an.

Aber wie entsteht dieses Potential? Wo kommt es her? Welche Bedeutung hat es? Kann man sich diesem Potential anvertrauen oder sollte man besser lernen, sich vollkommen unabhängig davon zu verhalten?

Häufig wird das Potential als Störfaktor wahrgenommen, denn es scheint immer zu dem hinzustreben, was gerade nicht geht, anstatt das zu unterstützen, was eigentlich gerade erledigt werden muss:

In der menschlichen Psyche schwelt ein ständiger Konflikt zwischen dem, was gerne ablaufen möchte und dem, was eigentlich ablaufen muss. Es ist ein Konflikt zwischen 2 konkurrierenden Einflüssen auf das Verhalten!

Als sich im Laufe der Evolution in der Psyche des Menschen der rationale Verstand entwickelte, wurde ein anderes Prinzip der Verhaltenssteuerung immer mehr verdrängt. Mit der Wissenschaft erleben wir den Höhepunkt dieser Entwicklung: Die menschliche Psyche arbeitet nahezu ausschließlich rational und die Wissenschaft verkörpert als Weltsicht das Prinzip einer reinen Rationalität. Aus rationaler Sicht scheint das ein Vorteil zu sein: Der Verstand wird als die "Vernunft" angesehen, welche die "niederen Instinkte" beherrschen und überwinden muss. Das Problem dabei ist nur: Diese Sichtweise ist falsch, und zwar geradezu unfassbar falsch.

Während sich der rationale Verstand mit der Wissenschaft zur vollkommenen Perfektionierung der Rationalität aufgeschwungen hat, ist ihm die wichtigste Grundlage der Existenz komplett entgangen. Was aus Sicht des rationalen Verstandes und der Wissenschaft nur als untergeordneter Störfaktor bei der Umsetzung wissenschaftlich bewiesener Gesetzmäßigkeiten erscheint, ist tatsächlich die Quelle von allem, das lebt und sich entwickelt. Was für die Wissenschaft gar nicht offiziell existiert, weil es sich weder messen, noch beweisen lässt, hat die gesamte Evolution einschließlich des Menschen hervorgebracht. Die Wissenschaft hat stattdessen den Zufall an den Ursprung von allem gesetzt, was ja im Klartext nichts anderes bedeutet als "keine Ahnung".

Je weiter sich der rationale Verstand entwickelt hat, umso mehr wurde das Verhalten vom inner-psychischen Potential abgekoppelt und stattdessen rationalen Konstrukten unterstellt. Die Religion bezeichnet diese Entwicklung als Sündenfall: Durch den Verzehr der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen wurde der Mensch von Gott getrennt und fiel aus dem Paradies heraus. Das Paradies symbolisiert ein Leben, das ohne Sorgen ist, weil die großen Probleme gelöst werden konnten, was wiederum schöpferische Energie für positive Entwicklungen freisetzt. Das Problem beim Sündenfall ist nicht die Entwicklung der rationalen Verstandesfunktion an sich, sondern die nahezu komplette Verdrängung und Ersetzung dessen, was vor der Entwicklung des Verstandes das Verhalten bestimmt hat, durch rationale Erwägungen. Die rationale Verstandesfunktion hat einen ganz bestimmten Anwendungsbereich, in dem sie dem Menschen große Vorteile verschafft. Aber anstatt der Erfüllung des inner-psychischen Potentials als Werkzeug zu dienen, hat sie sich selbst an dessen Stelle gesetzt.

Alle Weltsichten außer der Wissenschaft haben nur das eine zentrale Ziel: den Menschen zur ursprünglichen Quelle seines Verhaltens zurückzuführen. In den fernöstlichen Weisheitslehren ist es das Ego, welches das wahre Ich verdrängt hat. Die Frage "Wer bin ich?" soll den Menschen zur Erkenntnis seines Irrtums hinführen. Und in der Mythologie ist es die Suche nach dem heiligen Gral.

Die Wissenschaft weiß von all dem gar nichts, denn was im Inneren der Psyche abläuft lässt sich ja weder messen noch beweisen. Die wachsenden Krisen und zunehmenden Probleme deuten nicht nur darauf hin, dass die Wissenschaft als Erkenntnisprinzip an ihre Grenzen gekommen ist, sondern sie zeigen auf einer tieferen Ebene und in einem größeren evolutionsgeschichtlichen Rahmen, dass reine Rationalität als spezifische Funktionsform der Psyche an ihre Grenzen gekommen ist.

Als der Verstand jenes andere Prinzip der Verhaltenssteuerung verdrängte, wurde nicht nur das Verhalten vom inner-psychischen Potential abgekoppelt, sondern es wurden darüber hinaus umfangreiche nicht-rationale Teile der Psyche aus ihrer Funktion gedrängt und weitestgehend deaktiviert, welche die inner-psychische Wahrnehmung zu Verhalten verarbeiteten. Dadurch verlor der Mensch den Zugang zu einem wichtigen Teil der Realität. Dabei handelt es sich um genau jenen Teil der Realität, der die Schlüssel zur Lösung all der ausufernden Probleme und Krisen enthält, die dem Menschen zunehmend über den Kopf wachsen.

Die rein rationale Sicht auf die Welt ist unvollständig. Sie erfasst nur die gesetzmäßigen Teilaspekte des Gesamtgeschehens. Einige Menschen spüren das und versuchen sich irgendwie bemerkbar zu machen. Aber sie rennen gegen eine schier unbezwingbare Wand namens Wissenschaft, die ihnen sagt, dass sie unwissenschaftlich sind. Und während die Probleme und Krisen für alle deutlich sichtbar immer mehr außer Kontrolle geraten, gelingt es der Wissenschaft dennoch den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass sie die Lösung für alles sei.

Natürlich ist die Lösung nicht, einfach nur noch das zu tun, worauf man gerade Lust hat. Das ist nur die reduzierte und verzerrte Sicht des rationalen Verstandes auf das inner-psychische Potential. In einem größeren evolutionsgeschichtlichen Rahmen kann man sich eine Entwicklung in 3 Stufen vorstellen:

  1. Lebewesen mit einer nicht-rationalen Verhaltenssteuerung.
  2. Entwicklung des rationalen Verstandes, welcher nach und nach die nicht-rationale Verhaltenssteuerung immer mehr verdrängt, bis die Psyche mit der Wissenschaft als Weltsicht schließlich vollständig rational arbeitet.
  3. Reaktivierung der nicht-rationalen Teile der Psyche, welche sich mit dem Verstand zu einer neuen Arbeitsweise mit gewaltig erweiterten Möglichkeiten verbinden.

Ich bezeichne den rein rationalen Entwicklungszustand der Psyche (2.) auch als rationale Isolation, weil die Ratio den Menschen vom wichtigsten Teil der Realität getrennt hat. Wichtiger ist dieser Teil der Realität deshalb, weil er den sichtbaren, materiellen Teil überhaupt erst hervorbringt.

weiter im Text: Erfüllung